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Wir haben Mariusz Jan Demner, Gründer von Demner, Merlicek & Bergmann, einer der bedeutendsten Werbeagenturen Österreichs, zum Interview getroffen und erfahren, warum Werber zwar keine Künstler sind, aber trotzdem talentiert sein müssen, warum er sich in Mailand wie ein Kaiser gefühlt hat und was Elias Canetti mit Inspiration zu tun hat.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Werbeagentur zu gründen?
Auf der Straße. Ich hatte gerade einige Wochen als Kontaktassistent in einer Werbeagentur hinter mir und einige Wochen als Junior-Texter in einer andren. Die Erlebnisse dort haben mein Interesse an der Werbung eher gedämpft als gefördert, also bin ich zurück zum Studium ans Publizistikinstitut um meine Doktorarbeit fertig zu schreiben. Kunstgeschichte und Jus hab ich auch studiert. Und dann treffe ich im Textilviertel einen Bekannten meiner Eltern, der mir erzählt, dass er jetzt ein Hemd erzeugt, für das er Werbung machen muss, aber keine Ahnung von Werbung hätte. Auf die Frage „Kannst du mir jemanden empfehlen, du bist doch in der Branche?“ habe ich ohne zu zögern geantwortet: „Das trifft sich gut, ich habe soeben eine Werbeagentur gegründet“.
Das war die volle Wahrheit: Ich habe einen Kunden vor mir gesehen und habe eine Agentur gegründet – auf der Straße.
Ihr Erfolgsgeheimnis?
Sich nicht auf Erfolgen auszuruhen. Und: talentierte junge Leute aufspüren, ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln: das hält die Agentur frisch und jung – und mich dazu.
Sie haben einmal gesagt: „Wir sind keine Philosophen, wir sind Handwerker“ – kann man Kreativität erlernen?
Wir sind keine Künstler, wir arbeiten bloß mit künstlerischem Material: Worte, Bilder, Töne. Kreativität setzt immer ein gewisses Talent voraus und eine Neugier und Affinität zum Ungewohnten und Ungewöhnlichen. Wenn man das mitbringt kann man in einer Agentur wie Demner, Merlicek & Bergmann den Rest lernen, der aus jungen Menschen tolle TexterInnen, ArtdirektorInnen, Digital-DesignerInnen macht.
Der eine Award, auf den Sie besonders stolz sind…?
Es ist unendlich lange her. Merlicek und ich haben damals als kreatives Zweier-Team zusammengearbeitet und wir haben für eine Fachanzeige den Rizzoli Preis bekommen. Das war der erste große internationale Preis, den wir gewonnen haben. Wir haben unsere paar Groschen zusammengekratzt, wir hatten es nicht so Dicke damals, sind zusammen nach Mailand gefahren und haben uns gefühlt wie die Kaiser. Nach der Preisverleihung sind wir noch in ein pugliesisches Restaurant gegangen und ich erinnere mich noch heute an den Geschmack des Kaffees nach dem Essen (ob das Meinl war? :-) )
Als Werber ist man ständig auf der Suche nach Inspiration – wo finden Sie persönlich Ihre Inspiration?
In Elias Canettis „Die Blendung“ trägt der Professor Kien alle seine Bücher im Kopf mit sich herum. Jeden Abend holt er sie dort raus und breitet sie auf dem Boden aus und morgens tut er sie wieder hinein. Ich hab den Prozess abgekürzt. Ich stopf alles rein und hol nur das raus was ich brauchen kann – also Ideen. Das ist meine Arbeitsweise: Ich befasse mich mit einem Problem, trage es mit mir herum und irgendwann kommt schon was raus dabei. Dazwischen gibt es zahllose Eindrücke die mich inspirieren. Man nennt das wohl „austragen“?
Womit assoziieren Sie den Begriff „everyday poetry“?
Mit Werbung.
Vielen Dank für das Interview!
Ein guter Werber würde nie nie sagen, bevor er ausprobiert hat ob´s nicht doch geht.”
Links
Agentur Demner, Merlicek & Bergmann