Poetry Slam 23. Mai 2012

Fragen über Fragen zum Poetry Slam

Ein Beitrag von Poetry Café

In drei Wochen, am 14.6, ist es soweit und der nächste Poetry Slam Cup findet im Theater des Café Prückel statt. Um uns auf diese Veranstaltung einzustimmen, fragen wir bei erfahrenen Slammern einfach mal genauer nach. Dieses Mal haben wir den Veranstalter und Moderator, Kaberettist und Slammer MC Elwood Loud um ein Interview gebeten. Dieser hat uns dankenswerterweise Rede und Antwort gestanden und so einen Einblick in die Welt der Slammer gegeben.

Was ist ein Poetry Slam?

“Ein Wettstreit zwischen Wortperformern. Erlaubt sind nur eigene Texte, Gesang und Requisiten sind verboten. Es zählt das nackte Wort und die Performance. Man hat 5 Minuten Zeit, das Publikum entscheidet vor Ort über den Sieger.”

 

Wie kamst du zum Poetry Slam, wo hast du davon gehört?

“In der Schweiz habe ich an der Lesebühne „Der Dichtungsring“ in Winterthur gelesen. Dort hat man mir vorgeschlagen beim Poetry Slam anzutreten.”

 

Kannst du dich noch an deinen ersten vorgetragenen Text erinnern? Was war es, worum ging es?

“Klar. Es ging um Absinth. Die Lesebühne in Winterthur hat immer jede 2. Woche ein Thema für neue Texte vorgegeben und ich bin bei Absinth drangekommen. Mein erster Text bei einem Slam war ein Reisegedicht „Österreicher in der Schweiz“. Ich habe das vorgetragen im April 2004 beim Slam in St. Gallen und bin 2.er geworden hinter Pedro Lenz, seines Zeichens späterer Teilnehmer beim Bachmann Preis.”

 

Wie lange sitzt du an einem Text? Über Wochen peu á peu oder in einer Stunde vor dem Auftritt? Lange Vorbereitungszeit oder kurze?

“Ich brauche pro Text 1-2 Stunden, aber da habe ich schon vorher länger Ideen gesammelt, bzw. es haben sich gewisse Themen aufgestaut, die raus müssen. Aber ich feile dann anfangs vor und auch nach jeder Performance am Text herum. Vor allem vor einem Auftritt wird dein Blick auf einen neuen Text extrem klar und du erkennst plötzlich genau wo der Ballast im Text ist, also wo der Text zu wenig Dichte hat.”

 

Schon mal einen Blackout auf der Bühne gehabt und was würdest du empfehlen wenn es so wäre?

“Hatte ich noch nie. Aber wenn das passiert gibt’s im Slam einen netten Usus. Wenn ein Slammer zum Beispiel im Text hängt oder aus dem Text rausfliegt dann schreien die anderen „HEAVY METALLLL!“ um das Publikum abzulenken und dem Slammer auf der Bühne eine Pause zu geben um sich zu sammeln.”

 

Was oder wer inspiriert dich?

“Ich bekomme meine Motivation wenn ich, nennen wir das mal, Löcher in der kollektiven Wahrnehmung, und natürlich auch meiner eigenen, bemerke. Das sind für mich Sachen die wir uns gegenseitig unterschwellig als normal verkaufen und die aber bei näherer Betrachtung bestenfalls keinen Sinn ergeben. Zum Beispiel was ist ein „Proaktives Joghurt“? Isst sich das selber? Hast du schon mal Kinder „minuswachsen“ gesehen?”

 

Liest du alte/normale Poetry? Also Poesie, Gedichte, Balladen oder dergleichen? Kannst du noch ein in der Schule gelerntes Gedicht aufsagen?

“Da ist ja schon wieder so eine Senke in der Wahrnehmung :-) „Normale“ Poetry? Im Gegensatz zu? Beim Slam sind alle Vortragsformen erlaubt, Kurzgeschichten, Balladen, Reime, Schüttelreime/Prosa, Lyrik…
Ich denke einen alten Schiller krieg ich immer noch zusammen :-)”

 

Wie viele Texte schreibst du so ca. im Durchschnittsmonat?

“In starken Monaten waren das schon drei bis vier.”

 

Was möchtest du als erfahrener Slammer neuen Leuten mitgeben?

“Nicht aufgeben wenns schlecht läuft, nicht abheben wenn du gewinnst. Immer schauen, dass du dich nach der Decke streckst. Daher such dir hohe Decken. Am besten in Deutschland oder der Schweiz, da ist das Slamniveau etwas höher.
Auf jeden Fall nicht von einem Auftritt gleich auf die Gesamtwirkung des Textes schliessen. Jedes Publikum reagiert bei verschiedenen Stellen anders.
Auf keinen Fall aber das Publikum dafür verantwortlich machen, wenn dein Text nicht ankommt. Wenn die Leute nicht reagieren, dann hast du sie nicht erreicht. Das Publikum hat nämlich immer Recht.”

 

Warum sollte man unbedingt als Gast zu einem Poetry Slam kommen?

“Um sich einen einmaligen Genremix von Comedy, Lyrik, Kabarett, Literatur und Rock´n Roll zu geben. Ausserdem ist die Dichte der Texte nirgendwo so hoch wie im Poetry Slam. Da man nur 5 Minuten Zeit hat, werden Zwischen/Füll und Pausenwörter und Botschaften rausgehauen. Die hohe Verdichtung der Texte macht diese diamantkompakte, intensive Botschaft aus und die begeistert und inspiriert. Beim letzten Slam Finale des German International Poetry Slam (kurz GIPS) waren über 7.000 Leute!”

 

Links: Website Poetryslam

Fotorechte: (c) Peter Maybach

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