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Julia Petschinka lebt in Wien und sammelt in Ihrem Blog “no comment” seit einigen Jahren Stencils, die sie in verschiedenen Städten dieser Welt findet. Stencils sind Graffitis, die mithilfe von Schablonen angebracht werden. Wir haben Julia interviewt, um mehr über ihre Sammelleidenschaft herauszufinden und in die everyday poetry dieses Themas einzutauchen.
Seit wann beschäftigst Du Dich mit Stencil-Kunst?
Meine ersten Graffiti hab ich als kleines Kind entdeckt und bewundert; allerdings nicht auf der Straße in Wien, sondern in einem Buch aus New York. Eine Freundin meiner Eltern hat ein Buch über die damals noch vollgesprühten U-Bahnzüge mitgebracht („Subway Art“). Mich hat das Bunte in der grauen Stadt fasziniert. Irgendwie hat das so frei und aufmüpfig gewirkt – das hat mich beeindruckt.
Dann hab ich das alles vergessen – und wiederentdeckt, als die Stencils aufgetaucht sind. So richtig aufgefallen sind sie mir erst vor etwa 5 Jahren, damals musste ich viel reisen. Nach ein paar Tagen in einer neuen Stadt entdeckt man plötzlich diese Illustrationen an allen möglichen Ecken und Enden. Mir ist dabei aufgefallen, dass sich die Stencils stark unterscheiden, je nach Land und sogar je nach Stadt. Ich habe zum Beispiel nirgends so große Stencils wie in Paris oder Graz gesehen, und noch nie so aufwändige wie in Barcelona.
Welches ist für Dich das faszinierendste Stencil, das Dir je begegnet ist?
Für mich hängt die Faszination stark mit meiner eigenen Stimmung zusammen und dem Ort, an dem ich das Stencil entdecke.
Albin Rays Sprüche inspirieren mich sehr, mein liebster Spruch ist mittlerweile wieder verschwunden. Er war auf einer Baustelle im 5. Bezirk, jetzt steht dort ein Haus. Vorher stand da: „the anatomy of a senseless thought“. Sehr poetisch.
Während einer Parisreise habe ich mehrere lebensgroße Stencils von Jef Aerosol entdeckt, das war aufregend, denn Jef Aerosol ist eine Stencil-Berühmtheit. Und sonst mag ich es, wenn Stencils witzig sind, ironisch oder politisch.
Was bedeutet everyday poetry für Dich?
Everyday Poetry bedeutet für mich, mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt zu gehen und zu bemerken, was mir auf dem Weg begegnet. Graffiti, Stencils, Sprüche von Albin Ray, Sätze an einer Hauswand oder Spielkarten über die ich stolpere. Aber auch Geräusche, Sätze die man aufschnappt, Lichtstimmungen – es gibt viele Lesarten der Stadt und meistens inspierieren sie mich sehr, erheitern mich und begleiten mich durch den Tag.
Wie zum Beispiel diese (bitte klicken, um die Bilder auf Julias Blog zu sehen): Glitzerndes Z, Julia, I love you, Stay up late
Danke Julia für das Gespräch – stay inspired!
Das ermöglicht, aus dem täglichen Geschehen für einen Moment auszubrechen und eine andere Perspektive einzunehmen – dabei helfen Stencils.
”